Kapitel 4 – Lineare Methoden
Folien: 📄 04_linear_methods_ws26.pdf · Woche 3–4, Prof. Dürr
Worum geht es?
Dieses Kapitel ist das Fundament für fast alles, was im Rest der Vorlesung (und im Deep-Learning-Teil) kommt. Es behandelt überwachtes Lernen (supervised learning) mit linearen Modellen: Das Modell bildet zuerst eine gewichtete Summe der Eingaben,
und macht daraus dann eine Vorhersage. Je nachdem, was mit passiert und welche Verlustfunktion man wählt, entstehen unterschiedliche Verfahren:
| Verfahren | Aufgabe | Ausgabe | Verlustfunktion |
|---|---|---|---|
| Lineare Regression | Regression | mittlerer quadratischer Fehler (MSE) | |
| Ridge-Regression | Regression | MSE + | |
| Perceptron | Klassifikation | Perceptron-Loss (Rosenblatt) | |
| Logistische Regression | Klassifikation | Kreuzentropie (cross-entropy) |
Der rote Faden des Kapitels: Am Anfang werden die Verlustfunktionen ad hoc gewählt („nimm halt den quadratischen Fehler“). Am Ende steht das Maximum-Likelihood-Prinzip, aus dem die Verlustfunktion folgt, sobald man sich für eine Verteilung von gegeben entschieden hat. MSE ist dann nichts anderes als Maximum Likelihood unter Normalverteilung, Kreuzentropie Maximum Likelihood unter Bernoulli-Verteilung. Genau dieses Rezept trainiert später auch tiefe neuronale Netze.
Als Optimierungsverfahren wird Gradientenabstieg (gradient descent) eingeführt. Bei der linearen Regression gibt es zwar eine geschlossene Lösung (Normalengleichung), aber Gradientenabstieg funktioniert für praktisch jedes Modell und ist das Arbeitspferd des Deep Learning.
Aufbau des Kapitels
| Abschnitt | Inhalt | Termin |
|---|---|---|
| 4.1 Lineare Regression in 1D | Regression vs. Klassifikation, parametrische Modelle, Gerade an Daten anpassen, MSE als Verlust | 6 (20.10.) |
| 4.2 Gradientenabstieg | Update-Regel, Lernrate, Gradient in 2D, Konvexität | 6 (20.10.) |
| 4.3 Multiple lineare Regression & Normalengleichung | Designmatrix, Notation, Herleitung von | 6 (20.10.) |
| 4.4 Polynomiale Regression & Ridge-Regression | Nichtlineare Effekte mit linearem Modell, Overfitting, L2-Regularisierung | 7 (27.10.) |
| 4.5 Perceptron | Lineare Klassifikation mit Vorzeichen, Rosenblatt-Loss, Lernregel | 6 (20.10.) |
| 4.6 Probabilistische Modelle & Maximum Likelihood | Wahrscheinlichkeitsmodelle, Likelihood, NLL, Herleitung MSE aus der Normalverteilung | 6 (20.10.) |
| 4.7 Logistische Regression | Challenger-Beispiel, Sigmoid, Kreuzentropie, Gradient, Odds und Odds Ratios | 7 (27.10.) |
| 4.8 Zusammenfassung: Ein linearer Teil, viele Verteilungen | Normal/Poisson/Bernoulli, „der Loss wird hergeleitet, nicht erfunden“, Übung Poisson-Regression | 7 (27.10.) |
Die Reihenfolge der Unterseiten folgt den Folien. Laut Folie 36 („Ende erste Vorlesung“) endete der erste Termin in der Vorlesung selbst nach dem Perceptron, die probabilistische Sicht kam also erst im zweiten Termin.
Wie gut ein Modell auf neuen Daten funktioniert (Bias-Varianz-Zerlegung, Kreuzvalidierung, Wahl von oder des Polynomgrads), behandelt Kapitel 5 – Modellbewertung.
Prüfungsrelevant / Selbsttest
- Wie lautet die Normalengleichung, und wie leitet man sie her?
Antwort
Verlust . Ableiten nach ergibt , in Matrixform . Nullsetzen liefert (Normalengleichung), also , sofern invertierbar ist. Details in 4.3.
- Was passiert beim Gradientenabstieg, wenn die Lernrate zu groß bzw. zu klein ist?
Antwort
Zu klein: Jeder Schritt bewegt sich nur wenig, die Konvergenz ist sehr langsam. Zu groß: Man springt über das Minimum hinweg auf die andere Seite des Tals. Ist die Lernrate mehr als doppelt so groß wie der „ideale“ Wert, wird der Abstand zum Minimum mit jedem Schritt größer und das Verfahren divergiert (Folie 11, rechtes Bild). Siehe 4.2.
- Warum ist polynomiale Regression trotz ein lineares Modell?
Antwort
„Linear“ bezieht sich auf die Parameter , nicht auf die Eingabe . Das Modell ist eine Linearkombination der Spalten der erweiterten Designmatrix. Man kann daher genau dieselbe Normalengleichung verwenden.
- Was bewirkt der Strafterm bei der Ridge-Regression, und wie sieht die Lösung aus?
Antwort
Große Gewichte werden bestraft, die Parameter werden Richtung 0 gezogen (shrinkage). Das glättet die Modellfunktion und reduziert Overfitting. Lösung: . Weil für immer invertierbar ist, funktioniert das auch, wenn es mehr Parameter als Datenpunkte gibt. Der Bias wird üblicherweise nicht bestraft.
- Wie lautet die Lernregel des Perceptrons, und wann konvergiert sie?
Antwort
Für jeden falsch klassifizierten Punkt (): , . Das ist Gradientenabstieg auf . Der Algorithmus konvergiert (in endlich vielen Schritten), wenn die Klassen linear trennbar sind. Sonst hört er nie auf, Updates zu machen.
- Zeige, dass Maximum Likelihood mit und festem auf den MSE führt.
Antwort
. Der erste Term hängt nicht von ab, der Faktor ändert die Lage des Minimums nicht. Also: Likelihood maximieren ⇔ Summe der quadrierten Fehler minimieren. Siehe 4.6.
- Warum kann man nicht als Modell für eine Ausfallwahrscheinlichkeit nehmen, und was macht die logistische Regression stattdessen?
Antwort
Eine Gerade nimmt beliebige reelle Werte an, also auch Werte unter 0 und über 1, das sind keine Wahrscheinlichkeiten. Die logistische Regression schickt durch die Sigmoidfunktion , die auf abbildet. Gleichwertig: Die Log-Odds werden linear modelliert.
- Leite den Gradienten der Kreuzentropie für die logistische Regression her.
Antwort
Pro Datenpunkt mit , . Mit ergibt sich . Kettenregel: , . Gemittelt: . Siehe 4.7.
- Im Tennisbeispiel ist und . Wie groß sind Odds Ratio und ? Welches Vorzeichen hat im Challenger-Beispiel?
Antwort
, . Im Challenger-Beispiel (: Dichtungsring defekt, : Temperatur) nimmt die Ausfallwahrscheinlichkeit mit steigender Temperatur ab, also ist .
- Nenne für Normal-, Poisson- und Bernoulli-Verteilung jeweils das „Adapter“-Glied zwischen linearem Teil und Verteilungsparameter und den resultierenden Loss.
Antwort
Normal: kein Adapter (), Loss MSE. Poisson: (muss positiv sein), Loss . Bernoulli: (muss in liegen), Loss Kreuzentropie. Siehe 4.8.