4.1 Lineare Regression in 1D
Regression vs. Klassifikation
Überwachte Lernprobleme (supervised learning) teilt man nach der Art der Zielgröße ein 📄 04_linear_methods_ws26.pdf, Folie 3:
| Regression | Klassifikation (classification) | |
|---|---|---|
| Zielgröße | stetig / numerisch | kategorial |
| Beispiele | Stand des Dow Jones in 6 Monaten, Wert eines Hauses | Steigt oder fällt der Dow? Ist die Mail Spam? |
| Lineare Verfahren in diesem Kapitel | lineare Regression, Ridge-Regression | Perceptron, logistische Regression |
Manche Verfahrensfamilien decken beides ab: lineare Methoden, Boosting und neuronale Netze (im DL-Teil).
Die logistische Regression ist trotz ihres Namens ein Klassifikationsverfahren. „Regression“ kommt daher, dass sie eine stetige Größe vorhersagt, nämlich die Wahrscheinlichkeit einer Klasse. Die Klassenentscheidung entsteht erst durch eine Schwelle (z. B. ).
Parametrische Modelle
Fast alles überwachte Lernen arbeitet mit parametrischen Modellen 📄 04_linear_methods_ws26.pdf, Folie 4:
- Das Modell hat Parameter (auch Gewichte, weights), z. B. . Auf den Folien als Drehknöpfe dargestellt.
- Gegeben sind Trainingsdaten als Paare , .
- Das Modell berechnet aus eine Vorhersage . Je nach Stellung der Knöpfe kommt ein anderes heraus:
- Training heißt: die Knöpfe so drehen, dass möglichst gut zum beobachteten („wahren“) Wert passt. Wie gut das gelingt, misst eine Verlustfunktion (loss function), die man minimiert.
- Nach dem Training kann man die Trainingsdaten wegwerfen: Alles Gelernte steckt in den Parametern.
Ergänzung, nicht auf den Folien: Das Gegenstück sind nichtparametrische Verfahren wie -Nächste-Nachbarn, die die Trainingsdaten zur Vorhersage behalten müssen.
Beispiel: Blutdruck in Abhängigkeit vom Alter
Das Einstiegsbeispiel 📄 04_linear_methods_ws26.pdf, Folie 6: ist das Alter, der systolische Blutdruck (sbp) von 33 Personen. Man legt eine Gerade durch die Punktwolke:
- (Steigung): um wie viel steigt der vorhergesagte Blutdruck pro Lebensjahr.
- (Achsenabschnitt, intercept): vorhergesagter Blutdruck im Alter 0.
Die Folie zeichnet das als neuronales Netz mit einem Neuron ohne Aktivierungsfunktion: Eingänge und die Konstante , Gewichte und , Summe , Ausgabe . Diese Sicht zieht sich durch das ganze Kapitel. Der Eingang „1“ ist der Trick, mit dem man den Achsenabschnitt als ganz normales Gewicht behandeln kann.
Die Verlustfunktion: mittlerer quadratischer Fehler
Wie misst man, ob eine Gerade „gut“ ist? Für jeden Punkt betrachtet man das Residuum , also den senkrechten Abstand zwischen Punkt und Gerade (die grünen Striche auf 📄 04_linear_methods_ws26.pdf, Folie 7). Diese werden quadriert und gemittelt:
MSE steht für mean squared error, mittlerer quadratischer Fehler.
Zahlen aus der Demo: Mit , liegt der Punkt bei , sein Beitrag ist . Über alle 33 Punkte gemittelt ergibt sich . Die beste Gerade (Kleinste-Quadrate-Lösung) hat , und .
Rechts auf der Folie sieht man den MSE als Funktion von , eine Verlustlandschaft. Helle Bereiche bedeuten kleinen Verlust. Die Höhenlinien sind lang gezogene Ellipsen: Steigung und Achsenabschnitt lassen sich teilweise gegeneinander austauschen (größeres und kleineres ergibt eine ähnlich gute Gerade).
Warum quadrieren?
- Positive und negative Abweichungen sollen sich nicht gegenseitig aufheben.
- Das Quadrat ist differenzierbar, die Optimierung wird einfach (es gibt sogar eine geschlossene Lösung, siehe 4.3).
- Große Abweichungen werden überproportional bestraft.
Ganz überzeugend ist das noch nicht: Warum nicht ? Die eigentliche Begründung liefert erst das Maximum-Likelihood-Prinzip in 4.6: Der MSE ist genau dann die „richtige“ Verlustfunktion, wenn man normalverteilte Fehler annimmt.
Weil die Fehler quadriert werden, kann ein einzelner Ausreißer die Gerade stark verziehen. Ein Punkt mit Residuum 30 zählt so viel wie 100 Punkte mit Residuum 3.
Den Verlust optimieren
Allgemein ist der Verlust eine Funktion der Parameter (hier ) und der Daten 📄 04_linear_methods_ws26.pdf, Folie 8. Man wählt die Parameter, die ihn minimieren:
Zwei Wege:
- Analytisch: setzen und nach auflösen. Das ist der übliche Weg bei der linearen Regression.
- Numerisch, z. B. mit Gradientenabstieg. Sehr vielseitig, funktioniert für viele Verfahren und wird im Deep Learning ständig verwendet. → 4.2
Durchgerechnetes Beispiel (analytisch)
Ergänzung, nicht auf den Folien: Für den 1D-Fall kann man die Ableitungen direkt ausrechnen. Mit :
(, sind die Mittelwerte. Die zweite Formel erhält man, indem man einsetzt.) Die Steigung ist also Kovarianz durch Varianz von , und die Gerade geht immer durch den Schwerpunkt .
Zahlen: Drei Punkte , , .
| Produkt | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1 | 2 | 1 | |||
| 2 | 2 | 3 | 0 | 0 | 0 | |
| 3 | 3 | 5 | 1 | 1 | ||
| 3 | 2 |
Mit , : und .
Vorhersagen , Residuen . Die Residuen summieren sich zu 0 (das folgt aus ). .
Dasselbe Beispiel wird in 4.2 mit Gradientenabstieg und in 4.3 mit der Normalengleichung gelöst.