4.8 Zusammenfassung – Ein linearer Teil, viele Verteilungen
Die letzten Folien fassen das Kapitel zu einem einzigen Baukasten zusammen. Wer ihn verstanden hat, hat auch das Grundprinzip verstanden, mit dem tiefe neuronale Netze trainiert werden.
Der Baukasten
📄 04_linear_methods_ws26.pdf, Folie 73 Jedes Modell des Kapitels besteht aus drei Teilen:
- Linearer Teil: , mit .
- Adapter: bildet in den erlaubten Wertebereich des Verteilungsparameters ab.
- Ausgabeverteilung: wird passend zur Art von aus einer „Kiste“ gewählt.
| Verteilung | Parameter muss … | Adapter | Aufgabe |
|---|---|---|---|
| Normal() | keiner nötig, | Regression | |
| Poisson() | Regression für Zähldaten | ||
| Bernoulli() | Klassifikation |
Man wählt die Verteilung, die zu passt. Der Adapter sorgt dafür, dass der lineare Teil keine verbotenen Werte (negative Raten, Wahrscheinlichkeiten über 1) erzeugen kann.
Deep Learning: Man ersetzt den linearen Teil durch ein tiefes Netz und behält Kiste und Adapter. Ein Klassifikationsnetz endet mit Sigmoid (bzw. Softmax) und wird mit Kreuzentropie trainiert, genau wie die logistische Regression.
Ergänzung, nicht auf den Folien: In der Statistik heißt diese Modellfamilie verallgemeinerte lineare Modelle (generalized linear models, GLM). Der Adapter ist dort die Umkehrung der sogenannten Link-Funktion (Logit-Link bei Bernoulli, Log-Link bei Poisson).
Der Loss wird hergeleitet, nicht erfunden
📄 04_linear_methods_ws26.pdf, Folie 74 stellt die beiden Vorgehensweisen gegenüber:
| Ad hoc: für jedes Modell eine neue Erfindung | Probabilistisch: ein Rezept für alle Modelle |
|---|---|
| Kleinste Quadrate: „nimm den quadratischen Fehler“. Warum nicht Betrag oder vierte Potenz? | 1. Wähle die Verteilung von gegeben . |
| Perceptron: „bestrafe falsche Seiten“. Jede trennende Gerade hat Verlust 0. | 2. Minimiere . |
| Neues Problem (Zählungen, Bewertungen, …)? Neu erfinden. | Bonus: Das Modell sagt auch seine Unsicherheit voraus (, ). |
Das Ergebnis des Rezepts für vier Verteilungen:
| Man wählt | NLL (bis auf Konstanten) | bekannt als |
|---|---|---|
| Normal(, ) | MSE, kleinste Quadrate, hergeleitet | |
| Laplace(, ) | MAE, robuste Regression | |
| Poisson() | Poisson-Regression, Zähldaten | |
| Bernoulli() | Kreuzentropie, logistische Regression |
(In der Laplace-Zeile ist der Skalenparameter der Verteilung, nicht der Bias.)
Wähle die Verteilung, dann folgt der Loss. Dasselbe Rezept trainiert tiefe Netze.
Woher kommen die Zeilen?
Ergänzung, nicht auf den Folien: Jeweils der Wahrscheinlichkeit bzw. Dichte eines Datenpunktes, Konstanten (Terme ohne ) weggelassen.
- Normal: siehe 4.6, Folie 57.
- Laplace: Dichte , also .
- Poisson: , also . Der letzte Term hängt nicht von ab.
- Bernoulli: , also , siehe 4.7.
Der MAE wächst nur linear mit dem Fehler, der MSE quadratisch. Ein Ausreißer mit Fehler 10 zählt beim MAE 10-mal, beim MSE 100-mal so viel wie ein Punkt mit Fehler 1. Die Laplace-Verteilung hat „schwerere Ränder“ als die Normalverteilung, große Abweichungen sind unter ihr nicht so unwahrscheinlich und werden daher weniger bestraft.
Übung: Poisson-Regression
📄 04_linear_methods_ws26.pdf, Folie 75 verweist auf Arbeitsblatt 2, Teil „The Fish Data Set“ (Notebook Linear_Regression_Eigengesichter_Naive_Bayes.ipynb).
Das Camper-Beispiel
📄 04_linear_methods_ws26.pdf, Folie 76 Gruppen besuchen einen Nationalpark.
- : Anzahl gefangener Fische (eine Zählgröße).
- (persons): Anzahl Personen in der Gruppe.
- (child): Anzahl Kinder.
- (bait): ob lebender Köder verwendet wurde.
- (camper): ob ein Wohnmobil dabei war.
Aufgabe
📄 04_linear_methods_ws26.pdf, Folie 77- Man will die Anzahl Fische aus den Merkmalen vorhersagen.
- Modell: . Die Rate muss positiv sein.
- Ähnlicher Trick wie das bei der logistischen Regression:
- Beobachtet wird , daraus ergibt sich die Likelihood und mit ihr der Verlust (siehe Tabelle oben).
Warum nicht einfach lineare Regression? Ergänzung: Zähldaten sind ganzzahlig und nichtnegativ, eine Gerade kann negative Fischzahlen vorhersagen. Außerdem wächst bei der Poisson-Verteilung die Streuung mit dem Mittelwert (Varianz ), während die lineare Regression konstante Varianz annimmt.
Zahlenbeispiel (Ergänzung): Sagt das Modell für eine Gruppe voraus und sie fängt Fische, ist der NLL-Beitrag , entsprechend .
Interpretation der Gewichte (Ergänzung): Wegen wirkt jedes Gewicht multiplikativ: Steigt um 1, multipliziert sich die erwartete Fischzahl mit , ganz analog zu den Odds Ratios in 4.7.
Das Kapitel auf einen Blick
| Modell | Verteilung von | Adapter | Loss | Lösung |
|---|---|---|---|---|
| Lineare Regression | Normal | – | MSE | Normalengleichung oder Gradientenabstieg |
| Ridge-Regression | Normal (+ Strafterm) | – | MSE + | |
| Perceptron | – (nicht probabilistisch) | sign | Rosenblatt | Perceptron-Lernregel |
| Logistische Regression | Bernoulli | Sigmoid | Kreuzentropie | Gradientenabstieg |
| Poisson-Regression | Poisson | exp | Poisson-NLL | Gradientenabstieg |
Ergänzung: Ridge passt ebenfalls in das probabilistische Bild. Der Strafterm entspricht einer Normalverteilungs-Annahme (Prior) für die Gewichte. Das führt über die Maximum-Likelihood-Schätzung hinaus zur Maximum-a-posteriori-Schätzung und ist nicht Teil dieser Folien.