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2.1 Beispiele

Beispiel 1: Zinssatz eines Kredits (Folie 3–5, Tafel)​

📄 Folie 3

Ein Kapital KK wird für mm Monate verliehen und mit einer monatlichen Rate rr zurückgezahlt. Wie hoch ist der Jahreszinssatz pp (in %)?

Substitution: Monatlicher Zinsfaktor

x=1+p12⋅100=1+p1200.x=1+\frac{p}{12\cdot100}=1+\frac{p}{1200}.

Aufstellen: Nach dem ersten Monat schuldet man KxKx, zahlt rr, Rest Kx−rKx-r. Nach dem zweiten Monat (Kx−r)x−r(Kx-r)x-r usw. Nach mm Monaten ist alles abbezahlt:

0=(⋯((Kx−r)x−r)x−⋯ )x−r⏟m mal.0=\underbrace{(\cdots((Kx-r)x-r)x-\cdots)x-r}_{m\text{ mal}}.

Ausmultipliziert:

0=Kxm−r(xm−1+xm−2+⋯+x+1)=Kxm−r∑i=0m−1xi.0=Kx^m-r\big(x^{m-1}+x^{m-2}+\dots+x+1\big)=Kx^m-r\sum_{i=0}^{m-1}x^i.

Geometrische Summe ∑i=0m−1xi=xm−1x−1\sum_{i=0}^{m-1}x^i=\frac{x^m-1}{x-1} (für x≠1x\neq1) einsetzen und mit (x−1)(x-1) multiplizieren:

0=Kxm(x−1)−r(xm−1)⇔0=Kxm+1−(r+K) xm+r=:f(x).\begin{aligned} 0&=Kx^m(x-1)-r(x^m-1)\\ \Leftrightarrow\quad0&=Kx^{m+1}-(r+K)\,x^m+r=:f(x). \end{aligned}

Am Ende: p=1200 (x∗−1)p=1200\,(x^*-1).

Bemerkungen (Tafel)​

  • x=1x=1 ist immer eine Nullstelle von ff: K−(r+K)+r=0K-(r+K)+r=0. Sie ist aber eine Scheinlösung. Sie entsteht erst durch das Multiplizieren mit (x−1)(x-1) und bedeutet „0 % Zinsen“. Die ursprüngliche Gleichung mit der Summe erfüllt sie nur, wenn K=mrK=mr.
  • ff ist ein Polynom vom Grad m+1m+1, hat also m+1m+1 (komplexe) Nullstellen. Nicht-reelle Nullstellen treten in konjugiert komplexen Paaren auf.
  • Für m≥5m\ge5 (Grad ≥5\ge5) gibt es keine analytische Lösungsformel. ⇒ numerisch lösen.
  • Es interessiert nur x>1x>1 (keine negativen Zinsen).
  • Messfehler (z.B. gerundete Rate rr) übertragen sich auf ff und damit auf x∗x^*. Wie stark, klärt die Kondition.

Zahlen von der Folie (Folie 4–5)​

📄 Folie 5

K=50 000K=50\,000, r=1 200r=1\,200, m=48m=48. Newton (2.3) mit

xi+1=xi−Kxim+1−(r+K)xim+r(m+1)Kxim−m(r+K)xim−1,x0=1.01.x_{i+1}=x_i-\frac{Kx_i^{m+1}-(r+K)x_i^m+r}{(m+1)Kx_i^m-m(r+K)x_i^{m-1}},\qquad x_0=1.01.
iixix_ipi=1200(xi−1)p_i=1200(x_i-1)
01.010000000012.000 %
11.00735173908.822 %
21.00620359567.444 %
31.00594354517.132 %
41.00592985897.1158 %
51.00592982147.1158 %

⇒ p≈7.12 %p\approx7.12\,\%. (Selbst nachgerechnet.)

Startwert ist wichtig (Folie: „A) Wahl des Intervalls?“)

Mit x0=1x_0=1 bleibt Newton sofort auf der Scheinlösung stehen (f(1)=0f(1)=0). Und für x0x_0 knapp über 1 springt die Iteration leicht zur Scheinlösung, weil die beiden Nullstellen dicht beieinander liegen (f′(1)=K−mr=−7600≠0f'(1)=K-mr=-7600\neq0, ff hat dazwischen ein Minimum). Deshalb x0=1.01x_0=1.01 deutlich rechts vom Minimum.

Variante aus dem Skript (Grieb): K=20 000K=20\,000, m=36m=36, r=589r=589 ergibt x∗≈1.00319463x^*\approx1.00319463, also p≈3.83 %p\approx3.83\,\%.

x0.9971.0125x₀
oder ins Bild klicken, um x₀ zu setzen
Schritt 1/14: Startwert x₀ = 1.01.
Folie §2/3–5 mit K = 50 000, r = 1 200, m = 48. Zinssatz p = 1200·(x − 1). Startwert 1 trifft die Scheinlösung x = 1.
ixᵢf(xᵢ)|xᵢ − xᵢ₋₁|
01.017.14e+1

Beispiel 2: x=cos⁡xx=\cos x (Skript)​

Gesucht ist der Schnittpunkt von y=xy=x und y=cos⁡xy=\cos x, also die Nullstelle von

f(x)=x−cos⁡x,f′(x)=1+sin⁡x.f(x)=x-\cos x,\qquad f'(x)=1+\sin x.

Wegen f(0)=−1<0f(0)=-1<0 und f(π/2)=π/2>0f(\pi/2)=\pi/2>0 liegt eine Nullstelle in [0,π/2][0,\pi/2], und wegen f′≥0f'\ge0 (nur bei −π/2+2kπ-\pi/2+2k\pi gleich 0) ist sie eindeutig. Newton ab x0=0.7x_0=0.7:

iixix_i
00.7
10.739436497848
20.739085160465
30.739085133215

Nach drei Schritten 12 gültige Stellen. Die Zahl der gültigen Stellen verdoppelt sich ungefähr pro Schritt (1 → 3 → 7 → 12+), das ist quadratische Konvergenz.

Beispiel Lagrange-Punkte (Folie 8–10)​

📄 Folie 8

Lagrange-Punkte sind Punkte in der Nähe zweier umeinander rotierender Massen (Sonne M1M_1, Erde M2M_2, Abstand rr), in denen sich Gravitations- und Zentrifugalkräfte aufheben. Ein kleiner Körper dort (z.B. das James-Webb-Teleskop in L2L_2) rotiert mit, ohne Antrieb zu brauchen.

Für L1,L2,L3L_1,L_2,L_3 (auf der Verbindungslinie) vereinfacht man mit y=0y=0 und x=r(u+1−α)x=r(u+1-\alpha), α=M2M1+M2≈3⋅10−6\alpha=\frac{M_2}{M_1+M_2}\approx3\cdot10^{-6}. Das Problem ist dann eindimensional in der Unbekannten uu (Folie 9–10):

PunktKräftegleichgewichtGleichung in uuNäherung
L1L_1aSonne=aErde+azentrifugala_\text{Sonne}=a_\text{Erde}+a_\text{zentrifugal}u2(3u+3u2+u3)=α(−1−2u−u2+2u3+u4)u^2(3u+3u^2+u^3)=\alpha(-1-2u-u^2+2u^3+u^4)x≈r(1−α/33)x\approx r\big(1-\sqrt[3]{\alpha/3}\big), ca. 1.5 Mio km vor der Erde
L2L_2aSonne+aErde=azentrifugala_\text{Sonne}+a_\text{Erde}=a_\text{zentrifugal}u2(3u+3u2+u3)=α(1+2u+u2+2u3+u4)u^2(3u+3u^2+u^3)=\alpha(1+2u+u^2+2u^3+u^4)x≈r(1+α/33)x\approx r\big(1+\sqrt[3]{\alpha/3}\big), ca. 1.5 Mio km hinter der Erde
L3L_3aSonne+aErde=azentrifugala_\text{Sonne}+a_\text{Erde}=a_\text{zentrifugal}u2(3u+3u2+u3−2)=α(−1−2u+2u2+2u3+u4)u^2(3u+3u^2+u^3-2)=\alpha(-1-2u+2u^2+2u^3+u^4)x≈−r(1+512α)x\approx-r\big(1+\tfrac5{12}\alpha\big), gegenüber der Erde

Das sind Polynomgleichungen vom Grad 5 in uu, also keine geschlossene Lösung ⇒ Newton. Wegen α/33≈0.01\sqrt[3]{\alpha/3}\approx0.01 ist u≈±0.01u\approx\pm0.01 ein guter Startwert. L4,L5L_4,L_5 (y≠0y\neq0) führen auf ein zweidimensionales Problem.

Ergänzung: woher kommt α/33\sqrt[3]{\alpha/3}?

Für kleines ∣u∣|u| dominiert links 3u33u^3 und rechts ±α\pm\alpha. Bei L1L_1: 3u3≈−α3u^3\approx-\alpha, also u≈−α/33u\approx-\sqrt[3]{\alpha/3} (zwischen Sonne und Erde). Bei L2L_2: 3u3≈α3u^3\approx\alpha, also u≈+α/33u\approx+\sqrt[3]{\alpha/3}. Mit α≈3⋅10−6\alpha\approx3\cdot10^{-6} ist 10−63=0.01\sqrt[3]{10^{-6}}=0.01, und 0.01⋅r≈0.01⋅1.5⋅108 km=1.50.01\cdot r\approx0.01\cdot1.5\cdot10^8\,\text{km}=1.5 Mio km. Genau diese Näherung ist ein guter Newton-Startwert.