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2.3 Newton-Verfahren

Auch Newton-Raphson-Verfahren. Folien: 📄 Folie 3–7, Zusammenfassung 📄 Folie 11

Aufgabe (Tafel): Finde eine Lösung x∗x^* zu einer Gleichung f(x)=0f(x)=0.

Bemerkung (Tafel): Für eine Gleichung f1(x)=f2(x)f_1(x)=f_2(x) löse die Gleichung f1(x)−f2(x)=0f_1(x)-f_2(x)=0.

Prinzip (Tafel)​

  1. a) Wähle einen Startwert x0x_0. b) Approximiere ff im Punkt P0=(x0,y0)P_0=(x_0,y_0) mit y0=f(x0)y_0=f(x_0) durch die Tangente t0t_0. c) Berechne den Schnittpunkt (x1,0)(x_1,0) von t0t_0 mit der xx-Achse. d) Ist x0x_0 geeignet gewählt, ist x1x_1 eine bessere Näherung an x∗x^*.
  2. Wiederhole 1) mit x1x_1 als Startwert.
  3. Terminiere die Iteration geeignet.

⇒ Die so konstruierte Folge (xi)(x_i) konvergiert unter geeigneten Voraussetzungen gegen die gesuchte Lösung x∗x^*.

Die Idee: Eine Gerade kann man trivial nach xx auflösen. Also ersetzt man ff lokal durch die beste Gerade, die Tangente, und nimmt deren Nullstelle.

Iterationsvorschrift (Tafel)​

Tangentengleichung von ff in Pi=(xi,yi)=(xi,f(xi))P_i=(x_i,y_i)=(x_i,f(x_i)). Ansatz y=f′(xi) x+cy=f'(x_i)\,x+c, durch PiP_i: c=yi−xif′(xi)c=y_i-x_i f'(x_i).

y=x f′(xi)+yi⏟=f(xi)−xi f′(xi)=f(xi)+f′(xi)(x−xi).y=x\,f'(x_i)+\underbrace{y_i}_{=f(x_i)}-x_i\,f'(x_i)=f(x_i)+f'(x_i)(x-x_i).

Schnittpunkt mit der xx-Achse (y=0y=0):

0=f(xi)+f′(xi)(x−xi)⟺x=xi−f(xi)f′(xi)(f′(xi)≠0).0=f(x_i)+f'(x_i)(x-x_i)\quad\Longleftrightarrow\quad x=x_i-\frac{f(x_i)}{f'(x_i)}\qquad(f'(x_i)\neq0).

⇒ Verbesserung der Näherung:

  xi+1=xi−f(xi)f′(xi),i=0,1,2,… (bis Stop)  \boxed{\;x_{i+1}=x_i-\frac{f(x_i)}{f'(x_i)},\qquad i=0,1,2,\dots\ \text{(bis Stop)}\;}
Korrektur zum Aufschrieb

Im Heft steht beim Umstellen x=xi+f(xi)f′(xi)x=x_i+\frac{f(x_i)}{f'(x_i)} (mit Plus). Aus 0=f(xi)+f′(xi)(x−xi)0=f(x_i)+f'(x_i)(x-x_i) folgt x−xi=−f(xi)f′(xi)x-x_i=-\frac{f(x_i)}{f'(x_i)}, also Minus. So steht es auch auf 📄 Folie 11. Kontrolle an einem Beispiel: f(x)=x−1f(x)=x-1, x0=3x_0=3. Minus liefert x1=3−2/1=1x_1=3-2/1=1 ✔, Plus liefert 55 ✘.

Ablauf (Folie 5, Skript)​

📄 Folie 5
SchrittWas tunBeispiel Zins
A) Intervall[a,b][a,b] wählen, in dem genau eine Nullstelle liegt (Vorzeichenwechsel, Skizze)x>1x>1, Scheinlösung x=1x=1 ausschließen
B) Startwertx0∈[a,b]x_0\in[a,b], möglichst nah an x∗x^*; Konvergenzsatz prüfenx0=1.01x_0=1.01
C) Iterationxi+1=xi−f(xi)/f′(xi)x_{i+1}=x_i-f(x_i)/f'(x_i)Formel mit f′(x)=(m+1)Kxm−m(r+K)xm−1f'(x)=(m+1)Kx^m-m(r+K)x^{m-1}
D) Abbruchz.B. ∣xn+1−xn∣<ε\lvert x_{n+1}-x_n\rvert<\varepsilon oder ∣f(xn)∣<ε\lvert f(x_n)\rvert<\varepsilon oder n>nmax⁡n>n_{\max}p=1200(xn−1)p=1200(x_n-1)
Abbruchkriterien richtig wählen
  • ∣xn+1−xn∣<ε|x_{n+1}-x_n|<\varepsilon: misst den Schritt. Bei quadratischer Konvergenz ist der Fehler von xn+1x_{n+1} dann sogar ≈Kε2\approx K\varepsilon^2 (a-posteriori-Schranke). Bei großen xx besser relativ: ∣xn+1−xn∣<ε ∣xn+1∣|x_{n+1}-x_n|<\varepsilon\,|x_{n+1}|.
  • ∣f(xn)∣<ε|f(x_n)|<\varepsilon: allein trügerisch, wenn ff sehr flach ist (kleines ff, aber großer Abstand zu x∗x^*, vgl. Kondition).
  • Immer zusätzlich eine maximale Iterationszahl, sonst endlose Schleife bei Divergenz oder Zyklus. (Ergänzung)

Beispiele​

Beispiel 1: Zins​

Siehe 2.1: ab x0=1.01x_0=1.01 in 5 Schritten p≈7.1158 %p\approx7.1158\,\%.

Beispiel 2: x=cos⁡xx=\cos x​

Siehe 2.1: ab x0=0.7x_0=0.7 nach 3 Schritten x∗≈0.739085133215x^*\approx0.739085133215.

Beispiel 3: e−x=xe^{-x}=x (Folie 6–7)​

📄 Folie 6

f(x)=x−e−x,xn+1=xn−xn−e−xn1+e−xn.f(x)=x-e^{-x},\qquad x_{n+1}=x_n-\frac{x_n-e^{-x_n}}{1+e^{-x_n}}.

A) Intervall: a=0a=0, b=1b=1. Dort ist f∈C2[0,1]f\in C^2[0,1].

B) Voraussetzungen des Konvergenzsatzes prüfen:

BedingungNachweis
B1Vorzeichenwechself(0)=−1<0f(0)=-1<0, f(1)=1−1e>0f(1)=1-\frac1e>0 ⇒ Nullstelle in [0,1][0,1]
B2f′≠0f'\neq0f′(x)=1+e−x>0f'(x)=1+e^{-x}>0 ⇒ ff streng monoton wachsend, Nullstelle eindeutig
B3f′′f'' ohne Vorzeichenwechself′′(x)=−e−x<0f''(x)=-e^{-x}<0 ⇒ ff ist konkav (↷) auf [0,1][0,1]
B4Newton-Schritt von den Rändern bleibt im Intervallx1∣x0=0=12x_1\vert_{x_0=0}=\frac12, x1∣x0=1=21+e≈0.538<1x_1\vert_{x_0=1}=\frac{2}{1+e}\approx0.538<1 ⇒ Startwerte ok

Folgerungen (Folie 7):

a) Die Folge x0,x1,x2,…x_0,x_1,x_2,\dots konvergiert für jeden Startwert aus [0,1][0,1] gegen die Nullstelle.

b) Fehlerabschätzung mit

m=min⁡[0,1]∣f′(x)∣=min⁡[0,1](1+e−x)=1+1e=e+1e,M=max⁡[0,1]∣f′′(x)∣=max⁡[0,1]e−x=1,m=\min_{[0,1]}|f'(x)|=\min_{[0,1]}(1+e^{-x})=1+\frac1e=\frac{e+1}{e},\qquad M=\max_{[0,1]}|f''(x)|=\max_{[0,1]}e^{-x}=1, ⇒∣x∗−xn∣≤M2m∣xn−xn−1∣2=e2(e+1)∣xn−xn−1∣2≈0.3655 ∣xn−xn−1∣2.\Rightarrow\quad|x^*-x_n|\le\frac{M}{2m}|x_n-x_{n-1}|^2=\frac{e}{2(e+1)}|x_n-x_{n-1}|^2\approx0.3655\,|x_n-x_{n-1}|^2.

Zahlen (selbst nachgerechnet, x∗=0.567143290409784x^*=0.567143290409784):

nnxnx_n (ab x0=0x_0=0)Schranke 0.3655 ∣xn−xn−1∣20.3655\,\lvert x_n-x_{n-1}\rvert^2wahrer Fehler
10.5000000000009.1⋅10−29.1\cdot10^{-2}6.7⋅10−26.7\cdot10^{-2}
20.5663110031971.6⋅10−31.6\cdot10^{-3}8.3⋅10−48.3\cdot10^{-4}
30.5671431650352.5⋅10−72.5\cdot10^{-7}1.3⋅10−71.3\cdot10^{-7}
40.5671432904105.7⋅10−155.7\cdot10^{-15}2.9⋅10−152.9\cdot10^{-15}

Die Schranke ist immer gültig und dabei nur etwa um Faktor 2 zu pessimistisch.

Konvergenzsatz​

Satz (Konvergenz des Newton-Verfahrens, Skript/Folie 6)

Sei f∈C2[a,b]f\in C^2[a,b] mit

  • (B1) f(a)⋅f(b)<0f(a)\cdot f(b)<0,
  • (B2) f′(x)≠0f'(x)\neq0 für alle x∈[a,b]x\in[a,b],
  • (B3) f′′(x)≥0f''(x)\ge0 für alle x∈[a,b]x\in[a,b] oder f′′(x)≤0f''(x)\le0 für alle x∈[a,b]x\in[a,b],
  • (B4) a−f(a)f′(a)∈[a,b]a-\dfrac{f(a)}{f'(a)}\in[a,b] und b−f(b)f′(b)∈[a,b]b-\dfrac{f(b)}{f'(b)}\in[a,b].

Dann gilt:

  1. ff hat genau eine Nullstelle x∗∈[a,b]x^*\in[a,b], und das Newton-Verfahren konvergiert für jeden Startwert x0∈[a,b]x_0\in[a,b] gegen x∗x^*.
  2. Mit m:=min⁡[a,b]∣f′∣>0m:=\min_{[a,b]}|f'|>0, M:=max⁡[a,b]∣f′′∣M:=\max_{[a,b]}|f''| und K:=M2mK:=\dfrac{M}{2m} gelten die Fehlerabschätzungen unten.

Warum die Bedingungen?

  • B1 garantiert eine Nullstelle (Zwischenwertsatz).
  • B2 macht sie eindeutig (strenge Monotonie) und verhindert Division durch 0.
  • B3 verhindert, dass ff einen Wendepunkt hat. Ohne Wendepunkt liegen alle Iterierten ab x1x_1 auf derselben Seite von x∗x^* und laufen monoton darauf zu. (Mit Wendepunkt kann Newton hin- und herspringen.)
  • B4 sorgt dafür, dass selbst der erste Schritt vom ungünstigsten Startwert (Rand) nicht aus [a,b][a,b] herausspringt.

Fehlerabschätzung​

  a posteriori:∣x∗−xn∣≤K ∣xn−xn−1∣2  \boxed{\;\text{a posteriori:}\quad|x^*-x_n|\le K\,|x_n-x_{n-1}|^2\;}   a priori:∣x∗−xn∣≤1K(K ∣x0−x∗∣)2n≤1K((b−a) K)2n  \boxed{\;\text{a priori:}\quad|x^*-x_n|\le\frac1K\big(K\,|x_0-x^*|\big)^{2^n}\le\frac1K\big((b-a)\,K\big)^{2^n}\;}
  • A posteriori = nach der Rechnung, mit den berechneten xnx_n. Scharf und praktisch: Die Schranke dient direkt als Abbruchkriterium.
  • A priori = vor der Rechnung. Sagt, wie viele Schritte man höchstens braucht. Nur aussagekräftig, wenn (b−a)K<1(b-a)K<1, sonst ggf. das Intervall verkleinern.

Beispiel 3 a priori: (b−a)K=0.3655(b-a)K=0.3655. Für n=4n=4: 1K⋅0.365516≈2.8⋅10−7\frac1K\cdot0.3655^{16}\approx2.8\cdot10^{-7}. Die a-posteriori-Schranke (5.7⋅10−155.7\cdot10^{-15}) ist viel schärfer.

Ergänzung: Herleitung der Abschätzungen

Quadratische Konvergenz. Taylor von ff um xnx_n, ausgewertet in x∗x^*:

0=f(x∗)=f(xn)+f′(xn)(x∗−xn)+12f′′(ξ)(x∗−xn)2.0=f(x^*)=f(x_n)+f'(x_n)(x^*-x_n)+\tfrac12f''(\xi)(x^*-x_n)^2.

Durch f′(xn)f'(x_n) teilen und xn+1=xn−f(xn)/f′(xn)x_{n+1}=x_n-f(x_n)/f'(x_n) einsetzen:

x∗−xn+1=−f′′(ξ)2f′(xn)(x∗−xn)2⇒∣x∗−xn+1∣≤K ∣x∗−xn∣2.x^*-x_{n+1}=-\frac{f''(\xi)}{2f'(x_n)}(x^*-x_n)^2\quad\Rightarrow\quad|x^*-x_{n+1}|\le K\,|x^*-x_n|^2.

Rekursiv eingesetzt: K∣x∗−xn∣≤(K∣x∗−x0∣)2nK|x^*-x_n|\le(K|x^*-x_0|)^{2^n}, das ist die a-priori-Schranke.

A posteriori. Taylor von ff um xn−1x_{n-1}, ausgewertet in xnx_n. Die ersten beiden Terme heben sich nach Konstruktion von xnx_n genau auf:

f(xn)=f(xn−1)+f′(xn−1)(xn−xn−1)⏟=0+12f′′(η)(xn−xn−1)2.f(x_n)=\underbrace{f(x_{n-1})+f'(x_{n-1})(x_n-x_{n-1})}_{=0}+\tfrac12f''(\eta)(x_n-x_{n-1})^2.

Mittelwertsatz: ∣f(xn)∣=∣f(xn)−f(x∗)∣≥m ∣xn−x∗∣|f(x_n)|=|f(x_n)-f(x^*)|\ge m\,|x_n-x^*|. Zusammen: m∣xn−x∗∣≤M2∣xn−xn−1∣2m|x_n-x^*|\le\frac M2|x_n-x_{n-1}|^2.

Konvergenzordnung​

Ein Verfahren hat Konvergenzordnung p≥1p\ge1, wenn es ein C>0C>0 gibt (für p=1p=1: C<1C<1) mit

∣xn+1−x∗∣≤C ∣xn−x∗∣pfu¨r alle n ab einem n0.|x_{n+1}-x^*|\le C\,|x_n-x^*|^p\quad\text{für alle }n\text{ ab einem }n_0.

ppNameVerhalten
1linearpro Schritt kommt eine feste Anzahl Stellen dazu (≈−log⁡10C\approx-\log_{10}C)
1<p<21<p<2superlinearz.B. Sekantenverfahren p=1+52≈1.618p=\frac{1+\sqrt5}2\approx1.618 (kommt später)
2quadratischAnzahl gültiger Stellen verdoppelt sich pro Schritt
3kubischverdreifacht sich (Halley, kommt später)

Newton hat Ordnung 2 bei einfachen Nullstellen und f∈C2f\in C^2 (📄 Folie 11). Das zeigt die Herleitung oben mit C=KC=K. Sichtbar in Beispiel 3: Fehler 6.7⋅10−2→8.3⋅10−4→1.3⋅10−7→2.9⋅10−156.7\cdot10^{-2}\to8.3\cdot10^{-4}\to1.3\cdot10^{-7}\to2.9\cdot10^{-15}, der Exponent verdoppelt sich ungefähr.

Aber nur lokal

Quadratische Konvergenz gilt erst, wenn man nah genug an x∗x^* ist. Weiter weg kann Newton langsam sein, springen oder divergieren. Deshalb ist die Wahl von Intervall und Startwert (A, B) so wichtig, und deshalb gibt es das gedämpfte Newton-Verfahren (kommt später).

Probleme​

1. Waagrechte Tangente​

Ist f′(xi)=0f'(x_i)=0 (oder sehr klein), dann ist die Tangente waagrecht und schneidet die xx-Achse nicht (oder sehr weit weg). Die Iteration bricht ab oder springt weit aus dem Intervall. Beispiel: f(x)=x2−1f(x)=x^2-1 mit x0=0x_0=0.

2. Falsche Nullstelle​

Liegt x0x_0 ungünstig, landet x1x_1 im Einzugsbereich einer anderen Nullstelle. Beispiel Zins: Für x0x_0 knapp über 1 konvergiert Newton zur Scheinlösung x=1x=1.

3. Zyklen​

Bei Wendepunkten (B3 verletzt) kann die Folge zwischen zwei Werten pendeln: xn+2=xnx_{n+2}=x_n. Beispiel: f(x)=tanh⁡xf(x)=\tanh x hat die einzige Nullstelle 00. Für x0≈1.08866x_0\approx1.08866 ist x1=−x0x_1=-x_0, x2=x0x_2=x_0, … (für ∣x0∣|x_0| noch größer divergiert die Folge sogar). In der Demo unten: Beispiel „tanh x“.

4. Mehrfache Nullstellen​

Bei einer mm-fachen Nullstelle ist f′(x∗)=0f'(x^*)=0. Newton konvergiert dann nur noch linear mit Faktor m−1m\frac{m-1}{m}. Beispiel f(x)=π2−x−cos⁡xf(x)=\frac\pi2-x-\cos x, dreifache Nullstelle bei π2\frac\pi2, x0=1.5x_0=1.5:

nn123510152025
Fehler4.7⋅10−24.7\cdot10^{-2}3.2⋅10−23.2\cdot10^{-2}2.1⋅10−22.1\cdot10^{-2}9.3⋅10−39.3\cdot10^{-3}1.2⋅10−31.2\cdot10^{-3}1.6⋅10−41.6\cdot10^{-4}2.2⋅10−52.2\cdot10^{-5}7.2⋅10−67.2\cdot10^{-6}

Der Fehler schrumpft pro Schritt um 23\frac23, und nach 26 Schritten steht die Iteration bei 7⋅10−67\cdot10^{-6}, weil ff dort in double exakt 00 wird. Genauer geht es wegen der Kondition (ε1/3\varepsilon^{1/3}) auch nicht.

Ergänzung: warum Faktor m−1m\frac{m-1}m?

Für f(x)=(x−x∗)mf(x)=(x-x^*)^m ist ff′=x−x∗m\frac{f}{f'}=\frac{x-x^*}{m}, also xn+1−x∗=(xn−x∗)(1−1m)x_{n+1}-x^*=(x_n-x^*)\big(1-\frac1m\big). Abhilfe (kommt später, 📄 Folie 13–14): xi+1=xi−m f(xi)f′(xi)x_{i+1}=x_i-m\,\frac{f(x_i)}{f'(x_i)}, wenn mm bekannt ist, oder Newton auf g=f/f′g=f/f' anwenden.

Interaktiv​

Klick in den Plot setzt den Startwert x0x_0. Mit den Schritt-Knöpfen oder dem Schieberegler geht man Schritt für Schritt: erst Punkt und Tangente, dann ihr Schnittpunkt mit der xx-Achse. Die Tabelle zeigt xix_i, f(xi)f(x_i) und die Schrittweite.

x-0.62.2x₀
oder ins Bild klicken, um x₀ zu setzen
Schritt 1/10: Startwert x₀ = 0.7.
Skript 2.2, Beispiel 1: einfache Nullstelle, quadratische Konvergenz.
ixᵢf(xᵢ)|xᵢ − xᵢ₋₁|
00.7-6.48e-2

Zum Ausprobieren:

  • x − cos x und x − e^(−x): quadratische Konvergenz, die Schrittweite quadriert sich ungefähr.
  • Zins: x0=1x_0=1 eingeben, Newton bleibt auf der Scheinlösung. x0=1.002x_0=1.002 führt ebenfalls dorthin.
  • π/2 − x − cos x: lineare Konvergenz und Stillstand bei ≈7⋅10−6\approx7\cdot10^{-6}.
  • tanh x: x0=1.0886594924826534x_0=1.0886594924826534 ergibt einen Zyklus, x0=1.2x_0=1.2 divergiert, x0=1x_0=1 konvergiert.
  • cosh x − 1 − x/10: Übung 2, Aufgabe 3.

Übung 2​

📄 Übungsblatt 2

Aufgabe 3: Kettenlinie​

Ein Seil hängt zwischen zwei gleich hohen Masten, Spannweite 2ℓ2\ell, Durchhang hh. Es gilt acosh⁡ℓa=a+ha\cosh\frac{\ell}{a}=a+h. Gegeben h=1h=1 m, ℓ=10\ell=10 m, gesucht aa.

Substitution z=ℓa=10az=\frac{\ell}a=\frac{10}a, also a=10za=\frac{10}z:

10zcosh⁡z=10z+1∣⋅z10⟹cosh⁡z=1+0.1 z.\frac{10}z\cosh z=\frac{10}z+1\quad\Big|\cdot\frac z{10}\quad\Longrightarrow\quad\cosh z=1+0.1\,z.

Genau eine Lösung für z>0z>0 (Skizze): cosh⁡z\cosh z startet bei (0,1)(0,1) mit Steigung 00 und ist konvex. Die Gerade 1+0.1z1+0.1z startet am selben Punkt mit Steigung 0.10.1. Also liegt die Gerade zuerst über cosh⁡\cosh, aber cosh⁡\cosh wächst exponentiell und überholt sie genau einmal. (z=0z=0 ist die triviale Lösung, die nicht zählt.)

Konvergenzsatz auf [0.15,1][0.15,1] für f(z)=cosh⁡z−1−0.1zf(z)=\cosh z-1-0.1z:

Nachweis
B1f(0.15)≈−0.00373<0f(0.15)\approx-0.00373<0, f(1)≈0.443>0f(1)\approx0.443>0
B2f′(z)=sinh⁡z−0.1f'(z)=\sinh z-0.1 ist wachsend, f′(0.15)≈0.0506>0f'(0.15)\approx0.0506>0 ⇒ f′>0f'>0 auf [0.15,1][0.15,1]
B3f′′(z)=cosh⁡z>0f''(z)=\cosh z>0
B4Schritt von 0.150.15: 0.2237∈[0.15,1]0.2237\in[0.15,1]. Schritt von 11: 0.5879∈[0.15,1]0.5879\in[0.15,1]

m=f′(0.15)≈0.0506m=f'(0.15)\approx0.0506, M=cosh⁡1≈1.543M=\cosh1\approx1.543, K=M2m≈15.26K=\frac M{2m}\approx15.26.

Newton ab z0=0.2z_0=0.2 (selbst nachgerechnet):

nnznz_n∣zn−zn−1∣\lvert z_n-z_{n-1}\rvertSchranke K∣zn−zn−1∣2K\lvert z_n-z_{n-1}\rvert^2
10.199341244795516.6⋅10−46.6\cdot10^{-4}6.6⋅10−66.6\cdot10^{-6}
20.199339046159102.2⋅10−62.2\cdot10^{-6}7.4⋅10−117.4\cdot10^{-11} ✔
30.199339046134612.4⋅10−112.4\cdot10^{-11}9.2⋅10−219.2\cdot10^{-21}

Schon z2z_2 erfüllt ∣zn−z∗∣<10−10|z_n-z^*|<10^{-10}. Damit z∗≈0.1993390461z^*\approx0.1993390461 und

a=10z∗≈50.166 m.a=\frac{10}{z^*}\approx50.166\ \text{m}.

Aufgabe 4: Schnittpunkt f=gf=g​

f(x)=exp⁡(13−x2),g(x)=x4−83x3+6724x2−5027x+257162.f(x)=\exp\Big(\frac13-\frac x2\Big),\qquad g(x)=x^4-\frac83x^3+\frac{67}{24}x^2-\frac{50}{27}x+\frac{257}{162}.

Newton auf F=f−gF=f-g mit x0=1x_0=1:

nn125102028
xnx_n0.915420.852010.742170.681890.667010.66668

Auffällig: Die Konvergenz ist nur linear, der Fehler schrumpft pro Schritt etwa um 23\frac23, und die Iteration steht bei ≈0.66668\approx0.66668 still (Fehler ≈2⋅10−5\approx2\cdot10^{-5}).

Grund: Bei x∗=23x^*=\frac23 stimmen ff und gg bis zur zweiten Ableitung überein: f(23)=g(23)=1f(\frac23)=g(\frac23)=1, f′=g′=−12f'=g'=-\frac12, f′′=g′′=14f''=g''=\frac14, aber f′′′=−18≠g′′′=0f'''=-\frac18\neq g'''=0. Also ist x∗=23x^*=\frac23 eine dreifache Nullstelle von FF. Newton konvergiert linear mit Faktor m−1m=23\frac{m-1}m=\frac23 (Problem 4), und die Kondition begrenzt die Genauigkeit auf ≈(6 eps/18)1/3≈2⋅10−5\approx(6\,\text{eps}/\tfrac18)^{1/3}\approx2\cdot10^{-5}.

a) Wie viele Schnittpunkte? In der Skizze sieht man nur einen Berührpunkt bei x≈23x\approx\frac23. Tatsächlich gibt es in [0,2][0,2] zwei: die dreifache Nullstelle 23\frac23 und eine einfache bei x≈0.6458x\approx0.6458 (selbst nachgerechnet). Dazwischen ist FF nur ≈10−8\approx10^{-8} groß, das sieht man mit bloßem Auge nicht.

Ausblick​

Noch nicht dran (kommt mit der nächsten Vorlesung, 📄 Folie 12 ff.): gedämpftes Newton-Verfahren, Newton für mehrfache Nullstellen, Quasi-Newton (Sekanten-, Muller-, Sidi-, Steffensen-Verfahren), höhere Ordnung (Halley), multivariates Newton.