Frage:f ist am Rechner nie exakt bekannt. Rundung, Messfehler (z.B. die Rate r im Zins-Beispiel) oder eine ungenaue Auswertung liefern stattdessen ein gestörtes f~. Wie weit liegt die Nullstelle x~∗ von f~ von der wahren Nullstelle x∗ weg?
Das ist eine Frage an das Problem, nicht an ein Verfahren (siehe Kondition in Kapitel 0). Kein Verfahren kann x∗ genauer finden, als die Kondition erlaubt.
Der Fehler ist proportional zu ε, die Konditionszahl ist 1/∣f′(x∗)∣. Gut konditioniert, solange f die x-Achse nicht zu flach schneidet. Anschaulich: Verschiebt man den Graphen um ε nach oben/unten, wandert der Schnittpunkt um ε/Steigung.
Tafel: Für m>1 ist mεviel größer als ε ⇒ das Problem ist schlecht konditioniert. Zahlenbeispiel aus dem Aufschrieb:
ε=10−16,m=4⇒410−16=10−4.
Von 16 Stellen Genauigkeit in f bleiben nur 4 Stellen in der Nullstelle. Allgemein bleiben etwa 16/m Stellen übrig.
Vielfachheit m
Fehler der Nullstelle ≈ ε1/m
gültige Dezimalstellen
1
1.0e-16
≈ 16
2
1.0e-8
≈ 8
3
4.6e-6
≈ 5
4
1.0e-4
≈ 4
5
6.3e-4
≈ 3
6
2.2e-3
≈ 2
Beispiel f(x) = (x − 1)m, gestört zu f(x) − ε: Die Nullstelle wandert von 1 nach 1 + ε1/m.
Anschaulich
Bei einer mehrfachen Nullstelle berührt f die Achse nur (oder schneidet sie sehr flach, z.B. (x−1)3). Ein kleines Anheben des Graphen um ε verschiebt den Schnittpunkt dann weit. Bei m=2 (Berührpunkt) kann die Nullstelle sogar ganz verschwinden oder sich in zwei aufspalten.
Das ist keine Schwäche eines Verfahrens, sondern eine Grenze des Problems. Im Newton-Abschnitt sieht man das konkret: Für f(x)=2π−x−cosx (dreifache Nullstelle bei π/2) bleibt Newton in double bei einem Fehler von ≈7⋅10−6 stehen. Die Formel mit m=3, ∣f′′′(π/2)∣=1, m!=6 und ε≈eps sagt (6eps)1/3≈9⋅10−6 voraus. Das ist genau die Größenordnung.